Ein ehrlicher Blick auf unsere Stadt

  anco   Lesezeit: 3 Minuten

ein ehrlicher blick auf unsere stadt

Liebe Strasburgerinnen und Strasburger,

wer eine Stadt verantwortlich führen will, muss wissen, woran er ist. Aus diesem Grund habe ich in den vergangenen Monaten ein sogenanntes SozialDashboard für Strasburg (Um.) erarbeitet – eine umfassende datenbasierte Bestandsaufnahme unserer sozialen, demografischen und wirtschaftlichen Lage. Das Dashboard bündelt Zahlen aus der Regionalstatistik, von der Bundesagentur für Arbeit, aus dem Zensus 2022, dem SDG-Portal der Bertelsmann Stiftung sowie aus unserem eigenen Gewerberegister. Stichtag ist Juli 2025 bis Februar 2026.
Mir war wichtig, dass die Zahlen so dargestellt werden, wie sie sind – ohne Beschönigung, aber auch ohne Alarmismus.

Wo wir stehen
Seit 1990 hat Strasburg (Um.) nahezu die Hälfte seiner Einwohner verloren. Von einst knapp 7.900 Menschen leben heute rund 4.280 in unserer Stadt, jede Dritte bzw. jeder Dritte davon ist älter als 65 Jahre. Besonders die Sozialindikatoren verlangen unsere Aufmerksamkeit: Die SGB-II/XII-Quote liegt bei 21,9 Prozent (Landesdurchschnitt: 10,0 Prozent), die Kinderarmut erreicht 34,2 Prozent – mehr als das Doppelte des Landesdurchschnitts. Die Altersarmut fällt mit 3,1 Prozent demgegenüber unterdurchschnittlich aus; die Renten der DDR-Erwerbsbiografien schützen unsere ältere Generation bislang. Das wird sich in den kommenden Jahren ändern, wenn die Nachwendegeneration mit gebrochenen Erwerbsbiografien ins Rentenalter kommt.
Die Steuereinnahmen unserer Stadt liegen bei 565 Euro je Einwohner – rund 42 Prozent unter dem Landesdurchschnitt von 980 Euro. Der Leerstand beträgt laut Zensus 2022 etwa 14,5 Prozent, das Dreifache des Bundesdurchschnitts. Das sind Zahlen, die man nicht gerne liest. Ich halte es dennoch für richtig, sie offen zu benennen.

Was uns Mut machen kann
Das Dashboard zeigt aber auch: Strasburg (Um.) bewegt sich. 284 Gewerbe sind in unserer Stadt angemeldet, davon 210 im Haupterwerb – das ist das 32-Fache des Standes von 1990. Im Umkreis von 25 Kilometern sind derzeit 140 offene Stellen ausgeschrieben. Mit dem 2024 beschlossenen Grundsatzbeschluss zur Stadtentwicklung, dem in Erarbeitung befindlichen Tourismuskonzept für die Brohmer und Helpter Berge und der laufenden Nachhaltigkeitsstrategie haben wir erstmals schriftlich fixierte, langfristig angelegte Leitplanken.
Rund 42 Millionen Euro sind in den kommenden Jahren an Investitionen vorgesehen: für unsere Schulen, für das Kulturhaus, für die Max-Schmeling-Halle, für die Feuerwehren in Strasburg (Um.) und Neuensund, für die Löschwasserversorgung und den Walkmühler Weg.

Zwei Wege bis 2034
Das Dashboard stellt zwei Szenarien gegenüber. Bleibt alles wie bisher, sinkt unsere Einwohnerzahl bis 2034 auf rund 3.641 Personen, der Anteil der über 65-Jährigen steigt auf 45,5 Prozent. Setzen wir die beschlossenen Maßnahmen konsequent um, rechnet das Modell mit 4.025 Einwohnern und einem Alterungsanteil von 40,5 Prozent. Die Differenz von rund 384 Personen ist der Unterschied zwischen einer Stadt, die noch funktioniert, und einer Stadt, die aufgehört hat zu existieren.

Transparenz als Grundlage
Jede Zahl im Dashboard verweist auf eine öffentlich nachprüfbare Quelle. Schätzwerte sind als solche gekennzeichnet, ebenso die Unterscheidung zwischen Daten auf Gemeinde- und Kreisebene. Das Dashboard soll künftig regelmäßig fortgeschrieben werden und eine belastbare Grundlage für die Arbeit der Stadtverwaltung, der Stadtvertretung und – das ist mir besonders wichtig – für das Gespräch mit Ihnen bilden.

Ich lade Sie herzlich ein, einen Blick in die Zahlen zu werfen, mir Rückmeldungen zu geben und mit uns gemeinsam über die nächsten Schritte nachzudenken. Es geht um unsere Stadt. Und um die Frage, wie wir sie gestalten wollen.

Ihr Klemens Kowalski
Bürgermeister der Stadt Strasburg (Um.)