Liebe Strasburgerinnen und Strasburger, liebe Gäste, liebe Freundinnen und Freunde unserer Stadt,
775 Jahre – und wir sehen keinen Tag älter aus. Zumindest, wenn man in festlicher Stimmung auf in den Straßen schaut und in so viele fröhliche Gesichter. Heute feiern wir nicht nur ein Jubiläum, wir feiern unsere gemeinsame Geschichte – die Kunst, aus Widrigkeiten Chancen zu machen und aus Ideen Zukunft.
Unsere Stadt entstand an einer klugen Stelle: an einer Kreuzung, geschützt durch eine Burg am Nordufer des Sees. Aus dieser Straßenburg wuchs die Altstadt – und sehr früh wurden die Nachbarn Jüteritz und Falkenberg in Stadtgemeinde und Feldmark einbezogen. Drei Namen, die bis heute klingen, weil sie Tore und Fluren prägten. Das ist die nüchterne, zugleich schöne Wahrheit hinter der alten „Drei-Dörfer-Legende“.
Und dann taucht in den Quellen ein Mann auf, der uns heute einen ersten Gruß aus dem 13. Jahrhundert sendet: Berthold, – der vormals Schultheiß von Strasburg. Ich mag mir einbilden, er würde uns heute zunicken und sagen: „Macht was draus!“
1277 halten die askanischen Markgrafen in Strasburg Hof; „acta sunt hec Straceburch“ – hier wurden Urkunden vollzogen und Verhandlungen fanden statt. Ein Satz, der zeigt: Unsere Stadt war schon damals ein Ort, an dem Geschichte geschrieben wurde.
Unsere Geschichte ist aber mehr als Pergament und Siegel. Sie ist gelebte Widerstandskraft.
Im Dreißigjährigen Krieg brannte es, Heere zogen durch unser Land, und die Pest nahm uns viel. Bis heute sind an der Südseite unserer Marienkirche die kleinen Aushöhlungen zu sehen – die „Näpfchensteine“. In schwerer Zeit kratzte man dort Ton ab, mischte ihn als vermeintliche Medizin – ein zaghaftes Mittel gegen das Unbegreifliche. Es rührt, weil es erzählt: Wir gaben selbst dann nicht auf, wenn uns die Welt den Atem nahm.
Trotz Krieg, Hunger und Bränden fand Strasburg zurück in die Ordnung, baute neu, richtete sich wieder auf. Und wir wuchsen weiter: neue Ordnungen, neue Häuser, Markt, Handwerk – und später ein Rathaus aus preußischer Zeit, das unsere Beharrlichkeit in Stein fasst. Jeder dieser Schritte sagt: Wir sind eine Stadt, die nie nur verwaltet, sondern gestalten kann, wenn sie den Mut aufbringt.
Auch das gehört zu uns: Offenheit. Menschen kamen – Handwerker, Händler, Glaubensflüchtlinge –, brachten Können, Ideen, neue Saiten für den Klang unserer Stadt.
Vielfalt war für Strasburg (Um.) selten Modewort, meist Überlebenskunst – und immer Gewinn. Die Hugenottenvergangenheit zieht sich seit über 300 Jahren durch die Geschichte unserer Stadt. Viele von Euch tragen noch die Namen derer, die einst hier Zuflucht suchten.
Vor 25 Jahren, im Jahr 2000, feierten wir groß das 750-Jährige. Wer damals dabei war, erinnert sich an Stolz und Aufbruchsstimmung, die immer noch mit der deutschen Wende einherging.
Heute, ein Vierteljahrhundert später, spüren wir beides wieder – und vielleicht noch deutlicher: Wir sind die Generation, die den Staffelstab übernimmt, um in eine gute Zukunft zu starten, trotz aller Probleme, die uns die Vergangenheit und Gegenwart auferlegt hat.
Was heißt das ganz konkret? Es heißt:
· Wir bleiben mutig praktisch. Unsere Vorfahren machten aus Bauern Ackerbürger; wir machen aus Ideen Projekte, aus Projekten Erfolge – für Schulen, Vereine, Kultur, Sport und lebendige Orte zum Wohnen und Arbeiten.
· Wir bleiben gelassen ehrgeizig. Wenn es schwierig wird, erinnern wir uns daran, dass vor uns Menschen Mangel, Krieg und Seuchen durchstanden – und trotzdem wieder Feste organisierten, Märkte belebten, Kinder großzogen. Wir schaffen also auch Digitalisierung, Dorferneuerung, und zur Not retten wir auch das Weltklima – mit dem typischen Strasburger Mix aus Hand und Herz und Sturheit.
· Wir bleiben herzlich. Unsere Stadt funktioniert, weil so viele mit anpacken: Feuerwehr und Vereine, Schulen und Kitas, Kirchen und Unternehmen, Verwaltung und Ehrenamt – und alle Nachbarinnen und Nachbarn, die einfach da sind, wenn man sie braucht und manchmal gar kein Danke erwarten.
Ein Jubiläum ist kein Museumstag. Es ist ein Spiegel. Darin sehen wir:
- die Jugendlichen, die sich ausprobieren, Verantwortung übernehmen sollen, Neues starten – wir trauen euch etwas zu;
- die Familien, die hier bleiben oder zu uns kommen – willkommen, ihr macht uns jünger;
- die Älteren, die erinnern, erzählen, stützen – danke, ihr macht uns klüger.
Und ja, es darf die kommenden Tage gelacht, getanzt, gestaunt werden. Wir sind 775 Jahre alt – das verpflichtet zu guter Laune. Wenn uns jemand fragt, warum wir feiern, dann sagen wir: Weil wir’s können. Weil wir’s wollen. Und weil es uns guttut, einander wieder zu sehen – auf der Festwiese, in den Straßen, am See.
Von Berthold, dem ersten namentlich greifbaren Bürgermeister, bis zur „Urkunde zu Strasburg“ – von den Näpfchensteinen bis zum Rathaus, vom Ackerbürger bis zur Bürgermeisterin, zum Bürgermeister: Wir gehören zu einer langen Reihe von Menschen, die aus diesem Ort eine Gemeinschaft machten. Das ist unser größter Schatz.
Darum heute drei einfache Zusagen, die wir uns gegenseitig geben:
- Wir bleiben freundlich – auch wenn’s kompliziert wird.
- Wir bleiben zuverlässig – auch wenn die Mittel knapp sind.
- Wir bleiben neugierig – auch wenn der Weg neu ist.
Strasburg (Um.) ist nicht fertig. Zum Glück. Wir sind unterwegs – mit Geschichte im Rücken, Zukunft im Blick und guter Musik im Ohr. Also: Lasst uns groß feiern, groß denken, uns gegenseitig Danke sagen, unsere Zeit miteinander zu teilen und jeden kleinen Moment nutzen, an dem wir das Leben genießen – immer wieder, jeden Tag, denn kein Moment kommt zurück. Aber auf jeden Moment den wir Einfluss haben, sollten wir uns auch in den Mittelpunkt stellen.
Auf unsere Stadt. Auf Euch alle. Auf die nächsten 775 Jahre – Schritt für Schritt, Projekt für Projekt, Lächeln für Lächeln. Das Leben ist schön.

