Beim Neujahrsempfang in Strasburg nahmen so viele Gäste wie bisher noch nie teil. Nach Angaben des Bürgermeisters standen knapp 350 Personen auf der Anmeldeliste. Das große Interesse wurde als positives Zeichen für die Entwicklung des Formats gewertet.
Im Mittelpunkt des Abends standen bewusst nicht kommunalpolitische Themen, sondern das Engagement von Vereinen, Ehrenamtlichen und jungen Menschen. Deshalb wurde auf eine klassische Rede des Bürgermeisters verzichtet. Stattdessen kamen unter anderem eine Schülerin sowie Vertreterinnen des Kinder- und Jugendbeirats zu Wort.
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Erstmals wurde im Rahmen des Empfangs der Lonny-Neumann-Literaturpreis verliehen. Der Preis ist nach der Schriftstellerin Lonny Neumann benannt, die in Strasburg (Um.) aufgewachsen ist, heute in Potsdam lebt und 91 Jahre alt ist.
Ausgezeichnet wurde die 18-jährige Evelyn Pirner für ihren Beitrag „Morgens und abends“. Da sie sich derzeit in Schottland aufhält, wurde ihr Text aus der Ferne präsentiert. Insgesamt hatten sich 15 Personen am Literaturwettbewerb beteiligt. Eingereicht wurden unter anderem Kurzgeschichten, Essays und Gedichte. Die Laudatio hielt Lisa Weyer, die auch den Preis und das Preisgeld in Höhe von 250 Euro, gestiftet vom Bürgermeister, an die Mutter der Preisträgerin überreichte.
Darüber hinaus wurden beim Neujahrsempfang weitere Vorhaben und Anerkennungen vorgestellt. Gemeinsam mit dem Kfz-Sachverständigen und Sponsor Christian Gehrke präsentierte der Bürgermeister einen neuen Blickfang für den Ortseingang aus Richtung Pasewalk. Dabei handelt es sich um ein Fahrrad, das künftig an der B104 auf der Grünfläche in Nähe der Schleuse am Stadtsee aufgestellt werden soll, sobald der Boden frostfrei ist. Die Idee dazu entstand aus der Betrachtung älterer Fotografien und orientiert sich an einem ähnlichen Aufsteller in Prenzlau.
Ein weiteres Geschenk für die Stadt kam von der Pasewalker Kardiologin Dr. Christine Bahr. Sie stellte ein sogenanntes Gesundheitshäuschen vor, das zur Bewegung im Alltag anregen soll. In dem kleinen Holzhäuschen befinden sich Hefte mit Bewegungstipps sowie Fitnessbänder, die von den Bürgerinnen und Bürgern genutzt werden können. Ziel ist es, mehr körperliche Aktivität zu fördern und damit Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden oder Diabetes vorzubeugen. Auch für Strasburg (Um.) soll nun ein geeigneter Standort gefunden werden.
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Im Verlauf des Abends wurden zahlreiche Menschen für ihr besonderes Engagement geehrt. Ausgezeichnet wurde unter anderem der 14-jährige Jannik Pätzold, der einer älteren Nachbarin regelmäßig beim Fegen, Schneeschieben und Einkaufen hilft. Ebenfalls gewürdigt wurden der Arbeitslosentreff des Arbeitslosenverbands für ihren langjährigen Einsatz für die Tafel, die Möbelbörse, die Kleidermaus und weitere Angebote.
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Auch junge Menschen brachten ihre Perspektiven ein. Die 15-jährige Fenja sprach darüber, was Jugendliche bewegt und welche Wünsche sie an ihre Umgebung haben. Julie Myslowski, Vorsitzende des Kinder- und Jugendbeirats, rief dazu auf, noch stärker aufeinander zuzugehen.
Eine besondere Ehrung erhielt außerdem Jutta Schulz für 35 Jahre engagierte Arbeit für den Offenen Nachmittag im Pfarrhaus Strasburg (Um.). Im weiteren Verlauf wurden auch der Förderverein Kultur, Bildung, Sport Strasburg (Um.) e.V. sowie der 1. Angelverein 1922 Strasburg e.V. ausgezeichnet. Die Ehrung nahmen Vertreterinnen des Fördervereins sowie der Vorsitzende des Angelvereins entgegen.
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Musikalisch begleitet wurde der Abend von Lennard Siebert, Miranda Kowalski und Karoline Diedrich von der Kreismusikschule gemeinsam mit der Musikpädagogin Sandra Knoth.
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Laudatio Offener Nachmittag
Wenn ein Ort über Jahrzehnte zusammenhält, dann nicht nur durch Gebäude, Pläne oder Termine im Kalender, sondern durch Menschen, die einfach da sind, wenn andere sie brauchen. Seit 1990 gibt es hier einen festen Wochenrhythmus: im Schnitt 42 Montags-Treffen pro Jahr. Rechnen wir das einmal ganz nüchtern, weil hinter Zahlen oft eine stille Größe steckt. Wenn wir konservativ mit 35 Jahren schauen und ein paar abziehen, sind das mit ungefähr 1.400 Terminen, bei durchschnittlich 20 Teilnehmenden pro Termin etwa 28.000 persönliche Besuche und Begegnungen. Ungefähr 800 Begegnungen pro Jahr.
Diese Zahlen sind nicht Statistik. Das sind Gesichter, Geschichten, Tassen Kaffee, ein Lächeln, ein Gespräch, das jemanden durch die Woche trägt.
Begonnen hat alles in einer Zeit, die viele von Ihnen noch deutlich spüren, wenn sie daran denken: Umbrüche, Unsicherheit, besonders auch für Frauen, die plötzlich ohne Arbeit dastanden. Und dann entstand eine Idee, die so schlicht wie stark war: Wir laden ein. Wir lassen niemanden allein. Aus einem Frauennachmittag wurden regelmäßige Treffen, getragen von ehrenamtlicher Kraft, Geduld und Verlässlichkeit. Stellvertretend möchte ich Frau Härter und Frau Paschen nennen, die diese Linie mit aufgebaut und mitgehalten haben. Und Frau Jutta Schulz, die sich nicht nur um Menschen in schwierigen Situationen gekümmert hat, sondern auch Angehörige gestärkt hat. Diese Art von Unterstützung sieht man nicht immer sofort, aber man spürt sie lange.
Was hier gewachsen ist, ist eine offene Tür, ganz praktisch. Auch dann, wenn gerade nicht alles perfekt planbar ist. Mit Pausen in Ferienzeiten und an Feiertagen, und doch mit dem klaren Signal: Wer Anschluss sucht, findet ihn. Konfession spielt dabei keine Rolle. Entscheidend ist, dass Menschen sich willkommen fühlen.
Und was passiert an diesen Montagen? Das echte Leben.
Es wird gesungen, gelesen, vorgelesen, gespielt, gelacht. Es gibt Seniorengymnastik, Buchlesungen, Handarbeiten und Basare. Es kommen Gäste aus Wirtschaft und Politik, aus Vereinen und Institutionen. Es geht um Fasching und Frauentag, um Notruf und Apotheke, um Fischer, Feuerwehr, Stadtpräsident, Kinder- und Jugendbeirat und Demokratieschule. Es gibt Ausfahrten und kleine Abenteuer: Uckerland, botanischer Garten, Museum, Erzählcafé, Verbindungen zu anderen Kirchen.
Und es geht auch um das, was im Alltag wirklich hilft: Pflege und Teilhabe im Alter, wie ein Pflegedienst arbeitet, was ein Altenheim leistet, wie man sich im Trauerfall orientiert, was Bestattung bedeutet. Es geht um Schutz vor Betrug, ganz konkret mit Polizei und dem Thema Enkeltrick. Das Entscheidende ist: Wissen bleibt nicht im Raum, es wird weitergegeben. Wer hier etwas lernt, nimmt es mit, erzählt es weiter, macht andere sicherer.
Manchmal wird dieser Raum sogar Welt. Etwa, als spontan ein Bischof aus Tansania, aus Arusha, zu Besuch war. Plötzlich sind Schulprojekte, Wasserprojekte, medizinische Ausbildung nicht mehr „irgendwo da draußen“, sondern ein Gespräch, das verbindet. So entsteht Weite, ohne dass man die eigene Heimat verlassen muss. Direkt hier in Strasburg.
Und all das, das muss man sich wirklich einmal bewusst machen, geschieht ohne großes Budget. Ohne finanzielle Anreize. Einfach, weil Menschen es für richtig halten. Weil jemand Kaffee kocht, Stühle rückt, einen Gast einlädt, ein Thema vorbereitet, zuhört, nachfragt, mitgeht. Ehrenamt heißt hier nicht: „Wenn Zeit übrigbleibt.“ Ehrenamt heißt: „Wir machen es möglich.“
Darum sage ich heute im Namen vieler: Danke. Danke an alle, die über so viele Jahre drangeblieben sind. Danke an alle, die dazukommen, denn auch das braucht Mut. Danke an die Gemeinde, die Raum gibt. Und danke an die, die leise wirken, ohne sich wichtig zu machen. Genau diese leisen Kräfte machen eine Stadt menschlich.
Und damit heute wirklich jede und jeder im Saal weiß, wovon wir sprechen, nenne ich jetzt den Namen, der vielleicht zu bescheiden war für das, was er seit 35 Jahren leistet: Der Offene Nachmittag.
Laudatio 1. Anglerverein
„1922“ Strasburg e.V.:
Wenn man wissen will, wie eine Stadt wirklich funktioniert, muss man dahin schauen, wo Menschen nicht reden, sondern machen. Genau da steht Ihr Verein. Seit 1922. Seit über einem Jahrhundert Verantwor-tung, Gemeinschaft und ein Blick für das, was bleibt, wenn der Applaus längst verklungen ist.
Sie kümmern sich um Orte, die für viele Strasburgerinnen und Strasburger kleine Anker im Alltag sind: Demenzsee, Stadt-see, Schmiedegrundsee, Hell-teich, der Dorfteich Rosental und der Mühlbach. Sie halten Fisch-bestände gesund und ausgewo-gen, Sie pflegen Uferbereiche, Sie halten Wege begehbar, Sie sammeln Müll und Unrat ein, nicht weil es jemand kontrolliert, sondern weil es Ihnen wichtig ist. Und genau das spürt man. Wer an Ihren Gewässern steht, spürt Ordnung, Ruhe und Respekt.
Und dann gibt es diese zweite Ebene, die man leicht unterschätzt, bis man sie erlebt: Ihr Wissen. Ihr Fachwissen ist nicht irgendein Hobbywissen. Das ist Praxis, Erfahrung, Gewässerkunde, Naturschutz-verständnis, das sonst oft nur auf übergeordneten Ebenen verfügbar ist. Sie beraten die Kommunalpolitik in wichtigen Fragen, klar, sachlich und mit dem Blick fürs Ganze. Sie helfen uns, bessere Entscheidungen zu treffen, weil Sie das Gelände kennen, weil Sie Zusammenhänge sehen, weil Sie Konsequenzen einschätzen können. Das ist ein echter Standortvorteil für Strasburg. Und es ist ein Geschenk, dass Sie es mit uns teilen.
Sie sind außerdem ein Verein, der Stadtleben nicht „begleitet“, sondern gestaltet. Das Seefest, das Sie selbst organisieren, ist dafür das beste Beispiel. Da geht es nicht nur um Programm und Ablauf. Da geht es um Begegnung. Um dieses Gefühl, dass man hier dazugehört. Dass man sich kennt, grüßt, hilft, lacht. Und während andere noch planen, haben Sie längst aufgebaut, abgestimmt, organisiert, angepackt. Das ist gelebte Heimat.
Rund 200 Mitglieder, einer der größten Vereine im Bereich des Kreisangelvereins Uecker-Randow, das ist beeindruckend. Noch beeindruckender ist, was dahintersteht: Generationen, die sich austauschen. Menschen, die Geduld vorleben. Eine Gemeinschaft, die Verantwortung nicht abgibt, sondern übernimmt. Und wenn man genau hinhört, ist das Ihre eigentliche Botschaft an unsere Stadt: Wir können viel bewegen, wenn wir uns kümmern. Wenn wir dranbleiben. Wenn wir gemeinsam handeln.
Heute feiern wir Ihren Verein, aber wir feiern auch ein Gefühl: Zuversicht. Denn wenn es in einer Stadt Menschen gibt, die seit Jahrzehnten und über ein Jahrhundert hinweg verlässlich da sind, dann darf man optimistisch in die Zukunft schauen. Dann weiß man, wir haben Substanz. Wir haben Rückgrat. Wir haben Leute, auf die man bauen kann.
Im Namen der Stadt Strasburg (Uckermark) danke ich Ihnen von Herzen. Danke für Ihre Arbeit, Ihre Zeit, Ihre Ordnung, Ihre Ruhe, Ihren Einsatz. Danke für Ihr Seefest. Danke für Ihren Rat an die Kommunalpolitik. Danke dafür, dass Sie zeigen, wie Heimat entsteht, ganz praktisch, Schritt für Schritt, Hand in Hand.
Herzlichen Glückwunsch, 1. Anglerverein „1922“ Strasburg e.V., und Petri Heil!
Laudatio Förderverein für Kultur, Bildung und Sport Strasburg (Um.) e.V.
Strasburg ist vielfältig. Strasburg hat Potenzial. Und Strasburg lebt davon, dass Menschen nicht nur Ideen haben, sondern auch Wege finden, sie Realität werden zu lassen. Genau an dieser Stelle schließt der Förderverein eine Lücke, die so kein anderer Verein füllen kann.
Denn Sie funktionieren anders. Sie sind nicht „ein Verein unter vielen“, der einfach noch ein Angebot ergänzt. Sie sind eher ein Möglichmacher-Team: Sie denken groß, Sie planen groß, Sie organisieren groß und dann kommt der entscheidende Punkt, Sie holen die Mittel dafür heran. Sie bringen Förderungen, Sponsoren und Unterstützer zusammen, bündeln Kräfte und machen Dinge machbar, die sonst schlicht liegenbleiben würden.
Man sieht das ganz konkret an dem, was Sie in kurzer Zeit aufgebaut haben und verlässlich wiederholen: den Frühlingsmarkt, die Picknickkonzerte, den Erntedankmarkt, den Weihnachtszauber Ü60, Lesungen am Weihnachtskalender und den Vorlesetag. Dazu kommen Aktionen wie die Bücherübergabe an alle Erstklässler, Angebote rund um Information und Weiterbildung, Erste-Hilfe-Kurse sowie geführte Wanderungen und Touren. Und auch dort, wo andere nur „Leerstand“ sehen, setzen Sie sichtbare Zeichen, indem Sie Schaufenster gestalten und damit wieder Aufmerksamkeit und Würde in Orte bringen, die sonst übersehen werden.
Das ist eine besondere Form von Ehrenamt. Eine, die nicht nur Zeit gibt, sondern auch Struktur. Die nicht nur anpackt, sondern auch verhandelt, koordiniert, kalkuliert und dranbleibt. Und genau deshalb sind Sie für unsere Stadt so wichtig: weil Sie Dinge ermöglichen, die nicht automatisch passieren, selbst wenn der Wunsch in der Stadt groß ist.
Manchmal ist Ihr Tempo so hoch, dass man sich ehrlich fragt: Haltet ihr das durch? Und das ist nicht als Kritik gemeint, sondern als Ausdruck von Respekt. Weil man sieht, wie viel Energie, wie viel Organisation und wie viel Verantwortung dahintersteht. Und weil man hofft, dass dieses Tempo nicht ausbrennt, sondern trägt, mit guten Strukturen, mit vielen Schultern, mit kluger Priorisierung und mit dem Vertrauen, auch mal einen Gang zurückschalten zu dürfen, wenn es nötig ist.
Dabei ist klar: Wo viel bewegt wird, entstehen auch Reibungen. Das ist normal. Wo Entscheidungen fallen, gibt es unterschiedliche Meinungen. Wo Menschen sichtbar werden, gibt es auch „Reizfiguren“ und manchmal Konfliktpotenzial. Aber genau hier zeigt sich die Reife einer Stadtgemeinschaft: Nicht indem alle immer derselben Meinung sind, sondern indem man das Gemeinsame über das Trennende stellt. Indem man anerkennt, dass verschiedene Arbeitsweisen zum selben Ziel führen können. Und indem man sich gegenseitig die gute Absicht unterstellt: Wir wollen, dass Strasburg gewinnt.
Darum geht es heute: um Anerkennung, die verbindet. Nicht um ein Abgrenzen, nicht um ein „besser als“, sondern um ein „anders und genau deshalb wertvoll“. Ihr Förderverein ist eine Ergänzung, die Strasburg stärker macht. Nicht weniger wichtig. Nicht weniger erfolgreich. Sondern ein eigener Baustein im Ganzen, mit einer besonderen Rolle.
Strasburg erkennt Vielfalt an. Strasburg würdigt unterschiedliche Arten, sich einzubringen. Strasburg sieht, was im Hintergrund geleistet wird, auch wenn darüber selten gesprochen wird. Und Strasburg weiß: Ohne solche Brückenbauer zwischen Idee, Finanzierung und Umsetzung wären viele Dinge nicht möglich.
Ich danke Ihnen für Ihren Einsatz, für Ihre Tatkraft, für Ihre Professionalität im Ehrenamt und für die Bereitschaft, auch dann weiterzumachen, wenn es manchmal unbequem wird. Ich wünsche Ihnen, dass Ihr Teamgeist stark bleibt, dass die Verantwortung gut verteilt ist, dass das Tempo gesund bleibt und dass viele Menschen in Strasburg sagen: Ja, das gehört zu uns. Das trägt uns. Das bringt uns voran.
Herzlichen Dank und große Anerkennung an den Förderverein für Kultur, Bildung und Sport Strasburg (Um.) e.V.
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Text / Fotos: Stadtverwaltung
Laudationen: Klemens Kowalski
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