Warum es so schwer ist, Wohnungen zu sanieren

  anco   Lesezeit: 6 Minuten

warum es so schwer ist, wohnungen zu sanieren

Ein Wort des Bürgermeisters zur Wohnungspolitik

Liebe Strasburgerinnen und Strasburger,

ich werde häufig gefragt: Warum geht beim Wohnen so wenig voran? Warum stehen Wohnungen leer, während andere keine bekommen? Warum saniert die GWG nicht schneller? Diese Fragen sind berechtigt. Ich möchte ehrlich erklären, woran es hakt – und was wir tun.

Worum es geht. Unsere Stadt besitzt eine eigene Wohnungsgesellschaft, die GWG Strasburg mbH. Sie soll dafür sorgen, dass es in Strasburg bezahlbaren Wohnraum gibt – heute und in dreißig Jahren noch. Dafür müssen Wohnungen ständig instandgehalten und modernisiert werden: neue Dächer, Heizungen, Bäder, Barrierefreiheit, Barrierearmut. Das kostet Geld. Eine kleine kommunale Gesellschaft kann das nicht aus den laufenden Mieten allein bezahlen. Sie braucht Förderung vom Land und Kredite von Banken.

Was das Land tut. Das Land Mecklenburg-Vorpommern stellt Geld für den Wohnungsbau bereit. Im März dieses Jahres wurden die Förderbeträge sogar erhöht. Das ist ein wichtiges Signal, und dafür sind wir dankbar.

Wo es in der Praxis hakt. Trotzdem stoßen wir auf drei Probleme, die mit Geld allein nicht zu lösen sind:

Erstens: Wer mit Landesförderung baut, darf die Miete 40 Jahre lang nur in winzigen Schritten anheben. Das klingt mieterfreundlich. Aber alles andere wird teurer: Eine Reparatur, die heute 10.000 Euro kostet, kostet in zwanzig Jahren das Doppelte. Am Ende fehlt das Geld für die nächste Sanierung. Eine heute neu gebaute Wohnung kann in dreißig Jahren wieder verfallen sein. 

Zweitens: Die Banken finanzieren auf dem Land kaum noch. Selbst wenn Förderung zugesagt ist, fehlt ein Restbetrag, den die GWG als Kredit aufnehmen muss. Genau dort mauern die Banken. Sie sehen den ländlichen Raum als Risiko, strenge europäische Vorschriften verschärfen das. Mit unseren aktuellen Sanierungsvorhaben kämpfen wir gerade genau damit.

Drittens: Die Förderprogramme passen nicht zu kleinen Städten. Manche, etwa für energetische Sanierung oder den Einbau von Aufzügen, sind seit Monaten nicht mehr abrufbar. Andere sind so gestaltet, dass eher große Städte mit hohen Mieten profitieren.

Eine Strasburger Eigenheit. Zu diesen allgemeinen Problemen kommt eine, die uns ganz konkret betrifft. Viele unserer Häuser haben vier oder fünf Etagen ohne Aufzug. Wenn dort oben eine Wohnung frei wird, sind die Bedingungen schwierig: Wer in die obersten Etagen zieht, sucht meist eine besonders günstige Wohnung. Eine teure Sanierung würde sich kaum tragen – sie müsste anschließend zu einem Preis vermietet werden, den dort oben kaum jemand zahlen will.
Ein Aufzug wäre eine Lösung. Er würde die oberen Etagen barrierefrei machen und auch für ältere Menschen wieder attraktiv. Doch ein Aufzug kostet mehrere Hunderttausend Euro. Diese Kosten landen am Ende in den Mieten des ganzen Hauses – also auch in denen der Erdgeschosswohnungen, deren Bewohner einen Aufzug oft gar nicht brauchen. Eine drastische Mieterhöhung quer durch das ganze Haus kann sich somit wieder in Gegenteil von Gut verkehren.

Was wir konkret tun. Wir haben uns nicht abgefunden. Jede Wohnung, die zu unserem dauerhaft vermietbaren Bestand gehört und frei wird, sanieren wir – und machen sie, wo immer möglich, barrierefrei. So halten wir unseren Bestand modern und attraktiv: Schritt für Schritt, Wohnung für Wohnung. Mit unseren Mitteln.

Für die schwierigen Wohnungen in den oberen Etagen gehen wir einen anderen, ehrlichen Weg. Wir werben offen darum, dass sich Menschen bei uns melden, die genau in einer solchen Wohnung Lust haben, sich selbst zu verwirklichen: junge Leute, kreative Köpfe, Tatkräftige jeden Alters, die Treppen nicht scheuen, gern selbst Hand anlegen, ihre Wohnung nach eigenen Vorstellungen einrichten und herrichten – und im Gegenzug einen deutlich vergünstigten Mietpreis bekommen. Wenn Sie sich angesprochen fühlen oder jemanden kennen, der das tun würde: Die GWG freut sich über jeden, der Mut zur eigenen Wohnung mitbringt.

Und wir haben uns auf Landesebene zu Wort gemeldet. Gemeinsam mit der GWG-Geschäftsführung habe ich eine Stellungnahme an Minister Pegel und an die Ministerpräsidentin gerichtet, mit Zahlen und konkreten Reformvorschlägen. Wir sprechen damit nicht nur für Strasburg, sondern für viele Kleinstädte unseres Landes.



Eine Bitte zum Schluss. Was uns fehlt, ist nicht guter Wille, nicht Sachkenntnis, nicht Pläne. Was fehlt, sind Förderbedingungen, die zur Lebenswirklichkeit einer Kleinstadt passen, und Banken, die den ländlichen Raum noch finanzieren. Beides liegt nicht in unserer Hand. Trotzdem werden wir nicht müde – mit Argumenten und Hartnäckigkeit. Ich bitte Sie um Vertrauen und um etwas Geduld. Wer Fragen hat, spreche mich an.

Mit herzlichen Grüßen
Klemens Kowalski
Bürgermeister der Stadt Strasburg (Uckermark)

Banken, die auf dem Land kaum noch finanzieren. Förderprogramme, die nicht zur Lebenswirklichkeit kleiner Städte passen.
Mietbindungen über 40 Jahre, die spätere Sanierungen erschweren.
Bürgermeister Kowalski erklärt, woran das Sanieren in Strasburg (Um.) hakt – und welche Wege die GWG trotz aller Hürden geht.
Am 07.05.2026 um 22:15 Uhr waren die GWG und Strasburg (Uckermark) mit diesem Thema in der ARD bei den Tagesthemen zu sehen. Der Beitrag ist in der ARD-Mediathek abrufbar: https://tinyurl.com/uua8cnvc oder QR-Code scannen: