Der plattdeutsche Freundeskreis „Kiek Üm’t Eck“ war über viele Jahrzehnte ein fester und lebendiger Bestandteil des Uckermärkischen Heimatkreises Strasburg e.V. – ein Ort, an dem Menschen zusammenkamen, die das Uckermärkische Platt pflegen, bewahren und weitergeben wollten. Diese Gemeinschaft wurde wesentlich geprägt von Frau Hildegard Wegener, die den Zirkel mit großem Einsatz, Herz und Verlässlichkeit führte. Nun beendet die 90-Jährige aus gesundheitlichen Gründen ihre Tätigkeit.
Aus diesem Anlass blicken wir gemeinsam mit ihr auf die Geschichte des Zirkels und auf ihr langjähriges Wirken zurück. Hildegard Wegener ist vielen Strasburgerinnen und Strasburgern seit Jahrzehnten ein vertrautes Gesicht. Ihr Engagement hat den Heimatkreis und das kulturelle Leben unserer Stadt nachhaltig bereichert. Im folgenden Gespräch erzählt sie von ihren Erfahrungen, ihrer Verbundenheit zu Strasburg und von einem Ehrenamt, das Spuren hinterlassen hat. Das Interview führte Frau Dr. Sabine Krüger am 23. November 2025.
Frau Wegener, wer hat den plattdeutschen Zirkel „Kiek-Ümpt-Eck“ gegründet und seit wann sind Sie dabei?
Gegründet wurde der Zirkel von Frau Schall und Frau Wulff. Beide sind inzwischen verstorben; Frau Schall bereits 1981. Seit dieser Zeit habe ich die Leitung übernommen. Ich habe mich damals sozusagen vor den Karren spannen lassen und ihn bis heute gezogen. Aber nun ist für mich der Moment gekommen, aufzuhören.
Wie viele Menschen waren im Laufe der Jahre im Zirkel engagiert?
Wir waren immer eine kleine, aber treue Runde. Mal waren es ungefähr zehn Leute, mal etwas weniger – je nachdem, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmern Zeit hatten. Aber wir hatten stets einen festen Stamm, der sehr zuverlässig kam und mit Freude das uckermärkische Platt gesprochen hat. Zum Schluss waren wir noch zu sechst. Das waren die treuesten Teilnehmenden, die bis zuletzt dabeigeblieben sind. Wir haben uns dann gemeinsam verabschiedet. Ich selbst musste aufhören, weil es gesundheitlich einfach nicht mehr ging.
Wie darf man sich die Arbeit im Zirkel vorstellen? Wie oft haben Sie sich getroffen, und mit welchen Texten haben Sie gearbeitet?
Wir arbeiteten mit Stücken plattdeutscher Autoren. In erster Linie haben wir uns mit Texten von Max Lindow beschäftigt, der 1875 in Fahrenwalde geboren wurde und in Brüssow und Prenzlau wirkte.
Einmal im Monat sind wir zusammengekommen – seit 1981 bis heute. Das war eine schöne Zeit. Alle Veranstaltungen mussten natürlich gut vorbereitet sein. Insgesamt sind so etwa 530 Treffen und Auftritte zusammengekommen.
In den vergangenen Monaten haben wir nicht mehr öffentlich gespielt. Wir sind nur noch im Norddeutschen Freundeskreis aufgetreten. Unser allerletzter Auftritt war im November diesen Jahres hier im Altenheim.
Der plattdeutsche Zirkel war ja in den Strasburger Heimatkreis eingebettet. Hatte der Heimatkreis einen großen Anteil an Ihrer Arbeit?
Ja, auf jeden Fall. Wir sind jedes Jahr im Dezember im Heimatkreis mit einem plattdeutschen Beitrag aufgetreten. Das gehörte fest dazu, und der Vorsitzende Herr Jürgen Salitzky hat uns immer unterstützt.
Gibt es Menschen, denen Sie zum Abschied besonders danken möchten?
Ja, besonders danken möchte ich denen, die bis zuletzt immer wieder gekommen sind – unseren sechs treuesten Teilnehmenden. Sie waren wirklich die Stützen des Zirkels. Aber am Ende half es alles nichts: Ich musste mich verabschieden, weil es gesundheitlich einfach nicht mehr ging. Vielleicht gibt es ja in Zukunft neue „Plattdeutsch Freunde“, die die Arbeit weiter führen, das wäre schön.
Frau Wegener, wir danken Ihnen herzlich für das Interview und vor allem für Ihr jahrzehntelanges Engagement für den Plattdeutschen Zirkel.
Ich danke ebenfalls. Es war eine schöne Zeit.
Text/Foto: Dr. Sabine Krüger
Dank des Bürgermeisters
Auch Bürgermeister Klemens Kowalski dankt Frau Hildegard Wegener ausdrücklich für ihr langjähriges Engagement im plattdeutschen Freundeskreis Kiek Üm’t Eck sowie im Uckermärkischen Heimatkreis Strasburg e.V.
Über viele Jahrzehnte hat sie mit großem persönlichem Einsatz dazu beigetragen, das Uckermärkische Platt lebendig zu halten und Menschen zusammenzubringen. Ihre Arbeit hat das kulturelle Leben unserer Stadt in besonderer Weise bereichert.
Im Namen der Stadt Strasburg (Um.) spricht der Bürgermeister Frau Wegener Anerkennung und Wertschätzung aus und wünscht ihr für die kommende Zeit viel Gesundheit und Zufriedenheit.

