Weniger Arbeitslose, aber auch weniger Beschäftigte

  anco   Lesezeit: 46 Minuten

weniger arbeitslose, aber auch weniger beschäftigte

Was die neue Arbeitsmarkt-Visitenkarte der Bundesagentur für Strasburg (Um.) zeigt – und warum sich das Bild im letzten Jahr gedreht hat

 

Die Bundesagentur für Arbeit erstellt für jede Kommune eine „Visitenkarte kommunaler Arbeitsmarkt". Die aktuelle Ausgabe für Strasburg (Uckermark) bildet den Stand vom 30. Juni 2025 ab. Ein Vergleich der letzten Ausgaben zeigt zwei Dinge zugleich: Über fünf Jahre hat sich die Lage klar verbessert. Doch im letzten Jahr hat sich die Richtung gedreht.

 

Die lange Linie: weniger Arbeitslosigkeit, weniger Grundsicherung

Über fünf Jahre ist die Arbeitslosigkeit in Strasburg (Um.) um 12,8 Prozent gesunken. Im Jahresdurchschnitt waren zuletzt 325 Menschen arbeitslos gemeldet; 2021 waren es noch 373. Noch stärker ging die Zahl der Menschen zurück, die auf die Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II, umgangssprachlich Bürgergeld) angewiesen sind: von 612 auf 550 Leistungsberechtigte, ein Minus von 11,1 Prozent. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften – der Haushalte im Leistungsbezug – fiel auf 354. Das ist eine gute Nachricht: Weniger Menschen brauchen staatliche Unterstützung, um über die Runden zu kommen.

 

Die Wende: Beschäftigung und Stellen gehen zurück

Gleichzeitig zeigt die neue Visitenkarte erstmals seit Jahren wieder Minuszeichen bei der Beschäftigung. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sank im Juni 2025 auf 861, nach 890 ein Jahr zuvor. Über fünf Jahre bedeutet das ein Minus von 3,5 Prozent – in den Ausgaben davor stand hier noch ein Plus.

Auch die Zahl der offenen Stellen ist eingebrochen (minus 11,3 Prozent), und die Arbeitslosigkeit stieg gegenüber dem Vorjahr wieder leicht an, von 313 auf 325. Bei den Betrieben verschwanden einige der kleinsten: Von 106 auf 100 Kleinstbetriebe, von 32 auf 30 Kleinbetriebe. Größere Arbeitgeber mit mehr als 50 Beschäftigten gibt es in der Stadt weiterhin nicht.

Stabilisierend wirken auswärtige und ausländische Arbeitskräfte. Ein großer Teil der Beschäftigten pendelt zur Arbeit nach Strasburg (Um.) ein (zuletzt 468 Personen), und die Zahl der ausländischen Beschäftigten liegt bei 56 – über fünf Jahre ein Plus von 12 Prozent. Ohne diese Kräfte wäre der Rückgang bei der Beschäftigung deutlicher ausgefallen.

 

Einordnung: Strasburg (Um.) im Landestrend

Strasburg (Uckermark) gehört zum Landkreis Vorpommern-Greifswald, der 2025 die höchste Arbeitslosenquote in Mecklenburg-Vorpommern aufwies. Landesweit lag die Quote im Jahresdurchschnitt 2025 bei rund 8 Prozent.

Die Entwicklung in Strasburg (Um.) – über fünf Jahre sinkende Arbeitslosigkeit, aber eine Eintrübung im letzten Jahr – spiegelt damit den Landestrend wider: Nach Jahren der Besserung sorgt die schwache Gesamtwirtschaft seit 2024 wieder für einen leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit.

«Die Zahlen sind kein Grund zur Panik, aber ein Grund zur Wachsamkeit», ordnet Bürgermeister Klemens Kowalski ein.

Die weiter sinkende Zahl der Grundsicherungsempfänger zeige, dass in Strasburg (Um.) gearbeitet werde und dass Menschen aus dem Leistungsbezug in Arbeit kämen. Zugleich sei der Rückgang bei Beschäftigung, Betrieben und offenen Stellen ein Warnsignal, das man ernst nehmen müsse. Strasburg (Um.) sei kein Ort, der auf Hilfe wartet, sondern eine Stadt, die dem demografischen und wirtschaftlichen Druck aktiv begegnet. Entscheidend sei, die vorhandenen Betriebe zu halten, Fachkräfte zu gewinnen und die vielen Einpendler stärker an die Stadt zu binden.

 

Klemens Kowalski,

Bürgermeister der Stadt Strasburg (Uckermark)

 

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, „Visitenkarte kommunaler Arbeitsmarkt" Strasburg (Um.), Ausgaben 2024 bis 2026 (Datenstände Juni 2024 bis Juni 2025); Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit.

Die Grafik wurde mit einem KI-Tool erstellt.