Wie wollen wir uns erinnern?

  anco   Lesezeit: 3 Minuten

wie wollen wir uns erinnern?

Ein Wort des Bürgermeisters zur Zukunft unserer Friedhöfe

Liebe Strasburgerinnen und Strasburger,

ein Friedhof ist mehr als ein Ort der Trauer. Er ist auch ein Spiegel dessen, wie eine Stadt mit ihren Menschen umgeht – über das Leben hinaus. Wer über unsere Friedhöfe geht, sieht Geschichten von Familien, Freundschaften und Generationen. Und er sieht, ob eine Stadt es ernst meint mit der Würde, die ihren Bürgerinnen und Bürgern auch dann zusteht, wenn sie nicht mehr unter uns sind.

Genau darüber möchte ich heute mit Ihnen ins Gespräch kommen. Wie sollen unsere Friedhöfe in Zukunft aussehen? Was ist Ihnen wichtig?

Wie sich die Bestattungskultur verändert
Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine anonyme Bestattung – oft aus Rücksicht auf die Angehörigen, denen die Pflege eines Grabes erspart werden soll. Andere wählen Urnengräber oder pflegeleichte Gemeinschaftsanlagen. Das ist verständlich, und es soll auch so bleiben. Aber es führt dazu, dass am Ende oft kein sichtbares Zeichen mehr daran erinnert, dass es diesen Menschen gegeben hat. Das ist aus meiner Sicht ein leiser Verlust – nicht für die Verstorbenen, sondern für uns, die wir uns erinnern möchten.

Erste Ideen aus der Bürgerschaft
Bereits jetzt erreichen mich kleine, kluge Vorschläge. Da ist der Gedanke, eine Stele auf dem Friedhof aufzustellen, an der die Namen der anonym Bestatteten angebracht werden können – damit sie nicht völlig namenlos bleiben. Und da ist die Idee, die Außenseite unserer Trauerhalle in eine „Wand der Erinnerung“ zu verwandeln, an der Namensschilder ihrer Verstorbenen angebracht werden könnten. Beides sind schöne, würdige Gedanken. Sie zeigen: Wer einen Menschen verloren hat, möchte einen Ort haben, an dem er ihn beim Namen nennen darf – auch dann, wenn es kein eigenes Grab gibt.

Wir möchten von Ihnen hören
Was wünschen Sie sich für unsere Strasburger Friedhöfe? Welche Form der Erinnerung würde Ihnen guttun? Vielleicht haben Sie eine Idee aus einer anderen Stadt mitgebracht, die Sie auch hier schön fänden. Vielleicht haben Sie ganz andere Gedanken: zur Gestaltung, zu Bänken und Bäumen, zu ruhigen Plätzen, zur Pflege.

Schreiben Sie mir gerne – als Brief an das Rathaus, per E-Mail an buergermeister@strasburg.de oder im persönlichen Gespräch. Wir sammeln alle Vorschläge, prüfen, was sich umsetzen lässt und führen darüber das Gespräch mit Ihnen.

Ein Friedhof ist ein stiller Ort. Aber seine Stille darf nicht bedeuten, dass jemand vergessen wird.

Mit herzlichen Grüßen
Klemens Kowalski
Bürgermeister der Stadt Strasburg (Uckermark)